Stimmung ist ein bewusst minimaler Tages-Check: ein Durchgang, drei Schritte, danach ist Schluss. Oben läuft die App — alles, was hier unten steht, erklärt, wie sie gedacht ist und warum sie so wenig fragt.
Schritt 1: einordnen. Der Regler läuft von „sehr unangenehm“ bis „sehr angenehm“. Bewusst gibt es keine Zahl und keine Skala von eins bis zehn, sondern eine durchgehende Bewegung mit einer Farbe dahinter, die sich mitverändert. Das ist kein Deko-Effekt: eine Richtung lässt sich schneller und ehrlicher einstellen als ein Punktwert, den man insgeheim mit dem von gestern vergleicht.
Schritt 2: benennen. Erst nach der Einordnung kommen die Wörter, und zwar passend zur gewählten Richtung. Der Unterschied zwischen „angespannt“ und „überdreht“ oder zwischen „ruhig“ und „leer“ ist der eigentliche Erkenntnisgewinn — zwei Zustände mit sehr ähnlichem Reglerwert und komplett unterschiedlichem Grund. Mehrfachauswahl ist erlaubt, weil Tage selten eindeutig sind.
Schritt 3: zuordnen. Zuletzt die Frage, was den größten Einfluss hatte: Arbeit, Gesundheit, Geld, Familie, Freunde, etwas anderes. Genau diese Verbindung macht aus einer Tagesnotiz ein Muster. Ein einzelner angespannter Dienstag sagt nichts. Vierzehn angespannte Tage, bei denen dreizehnmal derselbe Bereich markiert ist, sagen sehr viel.
Danach folgt eine kurze Zusammenfassung — kein Punktestand, keine Bewertung, keine Serie, die man „verlieren“ kann. Genau das ist Absicht: Streak-Mechaniken machen aus einem Check-in eine Pflicht, und eine Pflicht beantwortet man irgendwann nur noch, damit die Zahl weiterläuft.
Ein Check, der dreimal am Tag zehn Fragen stellt, wird nach vier Tagen nicht mehr geöffnet. Ein Check, der dreimal in der Woche zwanzig Sekunden dauert, bleibt über Monate bestehen — und erst Monate ergeben Muster. Die App ist deshalb absichtlich schmäler als ihre technischen Möglichkeiten. Sie ist außerdem kein medizinisches Werkzeug: sie stellt keine Diagnose, bewertet nichts und ersetzt keine Beratung. Wenn es dir anhaltend schlecht geht, ist das Gespräch mit einer Ärztin oder einer Beratungsstelle der richtige nächste Schritt, nicht ein Regler.
Art Silhouette beschäftigt sich damit, wie Bilder Aufmerksamkeit und Stimmung steuern — und der Mechanismus ist derselbe wie hier: Reduktion. Ein einziger roter Akzent in einem grauen Bild wirkt, weil alles andere weggenommen wurde; dazu der Artikel über Farbisolation in Schwarzweiß-Bildern (englisch). Dasselbe gilt für Leerraum, der in negative space in art (englisch) ausführlich behandelt wird. Wer wissen will, welche Bildsprache zur eigenen Stimmung passt, kann das im Art Style Quiz (englisch) ausprobieren. Mehr zur Seite selbst steht unter About.